Palma=Berlin? Die zweite.

Donnerstag, 23.11., 3. Drehtag

Noch ein Tag im Berlin-Double, dann geht´s ins echte Berlin.

Heute drehen wir Innen/Nacht in der Wohnung von Pamela und Thomas, die sich auf das Wagnis eingelassen haben, eine Filmcrew bei sich drehen zu lassen, während sie nebenan schlafen. Die Wohnung ist sehr schön, und erinnert durchaus an einen Berliner Altbau, auch in den Augen des nimmermüden Lous. Zuerst aber muss ich Wookie, die Tinas Mutter spielen wird, vom Flughafen abholen. Es ist alles etwas hektisch, weil wir den Dreh nicht in die Länge ziehen wollen, und daher schon mal anfangen, Szenen ohne Wookie zu drehen. Dann schnell zum Flughafen, Wookie holen, und gleich weiterdrehen. So der Plan. Gottseidank klappt es auch, denn die Zwischenfälle sind alle schon vorher passiert, mit dem Mietauto an die Wand fahren und so was. Nicht zuletzt natürlich der Totalausfall meines Regieassistenten: der arme Stan ist nach etwa 16 Stunden Plackerei ohne Pause einfach zusammengeklappt und liegt seitdem krank im Bett. Wie krank sieht man daran, dass er im ganzen drei Tage nicht geraucht hat. Das will was heissen.
Der Dreh an sich verläuft relativ entspannt und erfolgreich, wenn man bedenkt, dass Wookie mich noch nie getroffen hat, und nun mit “ihrem Sohn” (den sie gerade am Flughafen kennengelernt hat) und “ihrer Tochter” (die sie vor zwei Jahren das letzte mal gesehen hat und auch noch nie mit ihr gespielt) zuerst Geburtstag feiert, und dann herzhaft mit ihnen streiten muss. Film ist Illusion, ich staune selbst immer wieder. Nachdem sich unsere Location-Geber irgendwann zurückgezogen haben verläuft der Dreh etwas ungewöhnlich weiter: zwischen den Takes flüstern alle, erst wenn die Kamera läuft wird sich wieder angeschrien. Gegen vier sind wir fertig und happy, das Gros des Films ist geschafft, und wir haben uns wacker geschlagen, wenn man bedenkt, dass wir erst gestern unseren Mammut-Dreh hatten.

Freitag, 24.11., 4. Drehtag

Hektische Betriebsamkeit. Um acht geht unser Flieger nach Berlin (das echte, das in Deutschland). Tina, Lou und ich sitzen tatsächlich zufällig im gleichen Flugzeug, und haben auch ganz unterschiedliche Gründe, warum wir fliegen. Aber nachdem wir herausgefunden hatten, dass wir tatsächlich alle gleichzeitig da sind (und Hannes, Tinas Spielpartner) ohnehin in Berlin wohnt, haben wir beschlossen, die Gelegenheit zu nutzen, gleich noch eine Szene im Taxi dort zu drehen. “Gleich noch” ist im übrigen wörtlich zu verstehen: Nachdem wir vom Flughafen nach Prenzlberg gefahren sind, fangen wir nämlich gleich an. So gegen ein Uhr morgens. Wieder einmal zweifle ich an meiner Zurechnungsfähigkeit. Wie gut jedoch, dass wir nun hier mit Hannes Auto (dem besagten 123er Mercedes) drehen können, für das wir nach langen Mühen in Palma (von vielen ja nicht zu Unrecht auch gerne das “Berlin des Mittelmeers” genannt, was an dieser Stelle nur der Vollständigkeit halber kurz erwähnt sei) ein Double gefunden hatten. Hannes hat nicht zuviel versprochen: die beiden Autos gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Ein weisses Ei einem braunen jedenfalls. Aber immerhin beide von einem Huhn. Dafür sehen sie auch innen nicht gleich aus, was wir aber durch geschicktes “Raushalten” zu kaschieren wissen. Von Hannes Auto halten wir im Zuge dessen so viel raus, dass es nur noch von einem Experten als Mercedes zu identifizieren sein dürfte. Aber zu WISSEN, dass es einer ist, ist für uns alle schon ein echt gutes Gefühl. Die Authentizität ist quasi mit Händen zu greifen! Jedenfalls gelingt uns eine ziemlich gute Szene, mit einer Unmenge unwirklich echtem Berlin im Hintergrund. Nee, wat schön!
Samstag, 25.11., Ende Gelände
Heute wollten wir eigentlich von Peters Wohnung/Dach aus den geplanten Blick über die Dächer der Stadt (den Hannes beim Blick aus seiner Spielwohnung in Palma selbst dazuspielen musste) drehen. Können wir aber nicht, was am Fehlen einer Leiter daselbst scheitert. Genaugenommen fehlt nicht die Leiter, sondern die sechs starken Möbelpacker, die das Ungetüm in den fünften Stock schleppen und dort auf Peters Balkon aufstellen könnten. Da der Balkon nur etwa einen Meter breit ist, und der Weg zum gewünschten Bild nur von dort über die besagte Leiter aufs Dach führen würde, haben wir gar nichts dagegen, das Unternehmen kurzerhand abzusagen. Nicht zuletzt, weil wir nicht ganz sicher sind, wie die Staatsgewalt wohl reagieren würde, wenn mitten in der Nacht dunkel gewandete Männer auf ein Dach steigen und ein seltsames Gerät auf den nur dreihundert Meter entfernten Reichstag richten. Stattdessen lassen wir uns von Peters Nachbarn und de-facto Mitbewohner Matthias lecker bekochen und schliessen das Projekt fürs erste ab. Ein paar Tage in Berlin abhängen (das mich in vielen Aspekten frappant an Palma erinnert) schadet jetzt gar nicht.

Donnerstag, 30.11., Nachdreh

Im Verlauf der Dreharbeiten hatte es sich rauskristallisiert: Wookies Figur braucht noch eine Szene, in der sie den Vater ihres Sohnes zum ersten mal seit Jahren wiedersieht. Blödsinnigerweise stelle ich mir das in einer Galerie vor, der Mann ist schliesslich Maler, und erfolgreich auch noch, kann er doch auch ausstellen. Wookie ist nur noch heute in Palma, die Szene spielt (zur Abwechslung einmal) nachts, und noch ist keine Galerie in Sicht. Kameramann haben wir auch keinen, der sitzt nämlich noch in Berlin, hat uns aber genaue Anweisungen gegeben, was bei der Aufnahme zu beachten sei. An der Bildgestaltung bin ich als Regisseur letztlich sowieso selbst schuld, also nix wie ran. Vorausgesetzt, es tut sich eine Galerie auf. Unpassenderweise scheinen alle für den morgigen Freitag Vernissagen geplant zu haben (zeitgleich natürlich, gewisse Parallelen zur publikumsfreundlichen Programmgestaltung der Fernsehsender an vor Feiertagen sind nicht zu verkennen), darob es keinem passt, heute noch spontan ein Filmteam drehen zu lassen. Ich irre planlos durch die Stadt, und auch vergleichsweise nutzlos, da ich genau die ausgedehnte Siesta der Galerien (zwischen zwei und halb fünf) erwischt habe. Endlich treffe ich die Besitzerin meiner Wunschlocation, Frau Dr. Kunstmann (Nomen es Omen!) an, die sich gottseidank bereiterklärt, uns drehen zu lassen. Allerdings nur bis acht. Der Blick auf die Uhr zeigt: noch zwei Stunden! Ich trommle meine Crew zusammen, beknie die Schauspieler, herbeizueilen, und tatsächlich fangen wir gegen viertel nach sieben an, zu drehen. Ohne Kameramann kein wirklicher Spass. “Schnell und hell” heisst die Devise, schliesslich haben wir nur eine knappe dreiviertel Stunde. Also wir halb fertig sind, gegen zwanzig vor acht, beginnt die Kollegin Frau Dr. Kunstmanns (die selbst nicht mehr da ist), irgendetwas von “cinco minutos mas” zu grummeln. Noch fünf Minuten! Egal, wir müssen durch, halten drauf und drehen überall nur einen Take. Maximal. Manchmal sogar weniger.
Um viertel vor acht habe ich meinen Film endgültig im Kasten - und bin saufroh!

Wer wissen will, wie es in Schnitt und Postproduction mit der Palma/Berlin Fusion weitergeht: Fortsetzung folgt, sobald ich es selbst weiss…

2 Kommentare zu “Palma=Berlin? Die zweite.”

  1. Steffi
    Dezember 19th, 2006 15:19
    1

    ich will es wissen! Unbedingt und ganz bald schon! Und ich will ihn sehen, den Film!
    Das ist wie erst ein Buch lesen, sich selbst seine Bilder dazu machen und dann ganz überrascht sein, wie anders der Film doch ist :-)
    Und ich freu mich, Dich am Freitag zu sehen! Werde Stefan und viele Geschichten mitbringen!

  2. Steggl
    Januar 6th, 2007 17:53
    2

    Ja schön, das freut mich immer wieder die ganzen Geschichten zu lesen, die du hier postet. Ich habe aber zugegebenermassen immer noch keinen Schimmer worum es in deinem Film gehen soll und wahrscheinliche hast du ja nur Spaß am rumkommandieren ;-) Erstaunlich was deine Crew so mitmacht, wie hältst du die denn eigentlich bei Laune? :-)

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