Palma=Berlin: Postproduction

Es klappt! Hannes schaut aus dem Fenster, in dem sich Berlin spiegelt! Im Hintergrund blinkt der Fernsehturm, ein kleines, blinkendes Flugzeug fliegt durch die Nacht. Jetzt versteht natürlich wieder mal keine Sau, was daran so toll sein soll. Nun, Berlin ist eigentlich gar nicht da. Man erinnere sich: wir haben ja in Palma gedreht. Also alles nur ein Trick, die Reflektion ist ein Photo, blinkender Fernsehturm und Flugzeug quasi von Hand animiert! Religiöse Ergriffenheit macht sich breit, als ich das Ergebnis stundenlanger Bastelarbeit zum ersten mal willigen Betrachtern zeige.

Und natürlich detailliert erläutere, wie gesagt: sonst versteht ja wieder keiner was. Leere Augen blicken mich an, das kann nur die Begeisterung sein. Schweigen senkt sich auf den sonst so betriebsamen Schneidraum. Es hat ihnen die Sprache verschlagen. Ich wusste es. Die Spötter sind verstummt! Keine dummen Sprüche mehr, Marke “also wir hatten damals ja den Vorteil, dass wir auch tatsächlich in Berlin WAREN, das erleichtert es ungemein” oder “Kennst Du eigentlich den Song ‘Streets of London’? Da wär´s doch auch ganz schön, warum drehst es denn nicht da? Wo Du schon mal hier bist?”

Das gehört jetzt alles der Vergangenheit an, wo sie die kühne Vision zum ersten mal auf dem Monitor sich manifestierend sehen, per Mausklick an- und abschaltbar.
Irgendjemand murmelt was von wegen “naja, is halt Berlin, ich weiss ja auch nicht…”
Banausen. Alles Banausen. Ich lasse den Schneideraum räumen.
2. Januar:

Noch knapp zwei Wochen, dann möchte ich den Film fertig haben. Der Rohschnitt liegt inzwischen bei siebzehn Minuten, und es ist etliches noch gar nicht geschnitten. Gewisse Insider, die ich lieber nicht beim Namen nenne, haben schon vermutet, dass es doch noch für einen 90-Minüter reichen könnte. Ja ja. Hauptsache alle amüsieren sich. Ich jedoch hoffe, dass ich das Ding unter 25 Minuten heimbringe. Soll ja schliesslich wirklich ein KURZfilm werden. Eine gewisse innere Widerstandshaltung macht sich allerdings bemerkbar. Der Regisseur im Schneideraum habe ja gewisse Ähnlichkeit mit einem angeschossenen Löwen, wie Lou ganz gerne mal erwähnt (wenn auch nicht nimmermüde, nur gelegentlich). Ich stimme dem zu. Missmutig, reizbar, unberechenbar, und potentiell extrem beisswillig. Ein Problemlöwe, sozusagen. Da sitzt man dann da und muss sich anschauen, was man alles nicht bedacht, was man alles übersehen, was man alles vergessen hat. Immer wieder. Man darf die eigenen Fehlleistungen dabei in voller Breite auskosten. Eine Erfahrung, die man schon mal ganz gerne vor sich herschiebt, bis es wieder mal nicht mehr anders geht. Aber Hauptsache ist bekanntlich, der Film wird fertig. Und man hat was gelernt. Und Gesundheit ist ja eh das wichtigste. Und überhaupt.

3 Kommentare zu “Palma=Berlin: Postproduction”

  1. Steggl
    Januar 6th, 2007 18:02
    1

    Muhahahahaha…jetzt hätt ich ja fast mein Müsli über Isis Laptop geprustet. “Banausen. Alles Banausen. Ich lasse den Schneideraum räumen.” Sehr, sehr geil…

    Also Herr Rainer-Werner Guerilla-Filmemacher, jetzt schick mir doch bitte Mal das Skript zu (gibt’s denn eins oder schreibst du das im Nachhinein ;-) ), damit ich mir Mal einen Reim auf das ganze machen kann. Du wirst die Filmpremiere ja nicht hier im Kodak-theatre machen wollen, so wie ich die kenne - zu kommerziell und dennoch zu klein ;-) Du bevorzugst ja wahrscheinlich einen Raum in der MFA so wie ich die kenne und wir Ausländer werden das gute Stück dann illegal aus irgendwelchen Tauschbörsen herunter laden müssen …, oder!?

  2. Andi Breu
    Januar 10th, 2007 08:16
    2

    @Steggl: Ich schau mal mal, ob ich das Werk irgendwo abfilmen kann … ;)

  3. Rudolfo
    Januar 15th, 2007 15:45
    3

    Also ich gehöre nunmal zum erlesensten Kreis der vermutlich zwei Personen die sich dieses Werk schon ansehen durften, wahrscheinlich weil ich nimmermüde wurde danach zu fragen ;-)
    Und ich muss sagen:
    Das hat er gut gemacht der Paulflohubsi ;-)

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